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Österreichische Literatur: Die wichtigsten Autorinnen und Autoren von Zweig bis Jelinek

Von der Wiener Moderne bis zum Nobelpreis: die wichtigsten österreichischen Autorinnen und Autoren im Überblick – mit Werken, Jahreszahlen und Lesetipps.

Kaffeehaustisch mit Buch und Kaffee im warmen Licht, Wiener Kaffeehausatmosphäre
Kurze Antwort

Die österreichische Literatur zählt gemessen an der Größe des Landes zu den einflussreichsten Europas: Von Arthur Schnitzler über Stefan Zweig und Ingeborg Bachmann bis zu Elfriede Jelinek und Peter Handke stammen etliche Schlüsselwerke der deutschsprachigen Moderne aus Österreich. Zwei Literaturnobelpreise binnen 15 Jahren unterstreichen diesen Rang. Der Überblick reicht von der Wiener Moderne bis zur Gegenwart.

Wiener Moderne: Schnitzler und Hofmannsthal

Um 1900 war das Wiener Kaffeehaus so etwas wie das Labor der modernen Literatur. Arthur Schnitzler führte mit Leutnant Gustl (1900) den inneren Monolog in die deutschsprachige Erzählung ein und schuf mit der Traumnovelle (1926) die Vorlage, die noch Stanley Kubricks letzten Film prägte. Hugo von Hofmannsthal schrieb Libretti für Richard Strauss und gehörte 1920 zu den Begründern der Salzburger Festspiele, deren Jedermann bis heute jeden Sommer am Domplatz gespielt wird. Beide gehören für viele in eine Reihe mit den berühmtesten Schriftstellern der Weltliteratur.

Zwischen den Kriegen: Zweig und Roth

Stefan Zweig war in den 1930er-Jahren einer der meistübersetzten Autoren der Welt. Seine Schachnovelle, 1942 im Exil vollendet, ist bis heute Schullektüre – ebenso wie sein Erinnerungsbuch Die Welt von Gestern, ein Abgesang auf das alte Europa. Joseph Roth setzte der untergegangenen Habsburgermonarchie mit dem Radetzkymarsch (1932) ein Denkmal; er starb 1939 verarmt im Pariser Exil. Beide Lebensläufe erzählen nebenbei die Geschichte vom Zerbrechen des alten Österreich.

Infografik: Fünf Schlüsselfiguren der österreichischen Literatur von Schnitzler bis Jelinek
Fünf Schlüsselfiguren der österreichischen Literatur

Nachkriegszeit: Bachmann, Bernhard, Haushofer

Ingeborg Bachmann machte die Lyrik der Nachkriegszeit weltläufig und schrieb mit Malina (1971) einen Roman, an dem sich die Forschung bis heute abarbeitet. 2026 jährt sich der Geburtstag der 1926 in Klagenfurt geborenen Dichterin zum hundertsten Mal. Nach ihr ist der wichtigste Literaturwettbewerb des deutschsprachigen Raums benannt: der Ingeborg-Bachmann-Preis, der seit 1977 in Klagenfurt ausgetragen wird. Thomas Bernhard machte die Schimpftirade zur Kunstform; sein Roman Holzfällen (1984) und das Burgtheater-Stück Heldenplatz (1988) lösten nationale Debatten aus. Marlen Haushofers Die Wand (1963) wurde erst spät als Meisterwerk erkannt und 2012 prominent verfilmt. Dazu kommt Heimito von Doderer, dessen Strudlhofstiege (1951) einer ganzen Wiener Stiege literarischen Weltruhm bescherte.

Nobelpreise und Gegenwart

2004 erhielt Elfriede Jelinek als erste Österreicherin den Literaturnobelpreis der Schwedischen Akademie, 2019 folgte Peter Handke – begleitet von heftigen Debatten über seine Haltung zu den Jugoslawienkriegen. Christine Nöstlinger wurde 2003 mit dem ersten Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis ausgezeichnet, der höchstdotierten Kinderbuchehrung der Welt. Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt (2005) wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt, Arno Geiger gewann 2005 mit Es geht uns gut den ersten Deutschen Buchpreis. Und Wolf Haas beweist mit seinen Brenner-Krimis seit Jahren, dass österreichische Literatur auch lakonisch und komisch kann.

Die wichtigsten Werke im Überblick

Autorin/Autor Schlüsselwerk Jahr
Arthur Schnitzler Traumnovelle 1926
Joseph Roth Radetzkymarsch 1932
Stefan Zweig Schachnovelle 1942
Heimito von Doderer Die Strudlhofstiege 1951
Marlen Haushofer Die Wand 1963
Ingeborg Bachmann Malina 1971
Christine Nöstlinger Wir pfeifen auf den Gurkenkönig 1972
Elfriede Jelinek Die Klavierspielerin 1983
Thomas Bernhard Holzfällen 1984
Peter Handke Mein Jahr in der Niemandsbucht 1994
Daniel Kehlmann Die Vermessung der Welt 2005
Arno Geiger Es geht uns gut 2005

Häufige Fragen

Welche Österreicher erhielten den Literaturnobelpreis?

Elfriede Jelinek (2004) und Peter Handke (2019). Elias Canetti (1981) wurde in Bulgarien geboren, schrieb auf Deutsch und war von Wien geprägt, besaß zum Zeitpunkt der Auszeichnung aber die britische Staatsbürgerschaft.

Was ist der Bachmannpreis?

Ein Lesewettbewerb, der seit 1977 in Klagenfurt stattfindet. Autorinnen und Autoren lesen unveröffentlichte Texte live, die Jury diskutiert vor laufender Kamera – für viele Karrieren im deutschsprachigen Literaturbetrieb war das der Startschuss.

Welches Buch eignet sich als Einstieg in die österreichische Literatur?

Stefan Zweigs Schachnovelle: kurz, spannend und in einem Abend zu lesen. Danach lohnen Marlen Haushofers Die Wand und Joseph Roths Radetzkymarsch.

Wer war die wichtigste österreichische Kinderbuchautorin?

Christine Nöstlinger (1936–2018). Ihre Bücher vom Gurkenkönig bis zu den Geschichten vom Franz haben Generationen geprägt und wurden vielfach übersetzt und ausgezeichnet.

Fazit

Österreichs Literatur ist reicher, streitbarer und komischer, als ihr Ruf als schwere Kost vermuten lässt. Wer sich von Zweig bis Jelinek durchliest, versteht das Land besser als aus jedem Geschichtsbuch. Und wen dabei das Schreibfieber packt, der findet im Beitrag Autor werden den Weg vom ersten Manuskript zum eigenen Buch.

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