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Füllwörter vermeiden: Die Liste der 50 überflüssigsten Wörter

„Eigentlich“, „irgendwie“, „halt“: 50 Wörter, die Texte aufblähen – und eine Vier-Schritte-Methode, um sie beim Überarbeiten loszuwerden.

Zerknülltes Papier auf einem Schreibtisch – Überarbeiten und Kürzen von Texten
Kurze Antwort

Füllwörter sind Wörter ohne eigenen Informationswert – „eigentlich“, „halt“, „irgendwie“, „quasi“ –, die Sätze aufblähen, ohne ihnen etwas zu geben. Wer sie streicht, macht Texte kürzer, klarer und glaubwürdiger. Die Kunst liegt darin, die richtigen zu streichen und die wenigen nützlichen stehen zu lassen.

Was Füllwörter anrichten – und warum wir sie trotzdem schreiben

Beim Sprechen erfüllen Füllwörter eine Funktion: Sie verschaffen Denkpausen und federn Aussagen ab. Beim Schreiben fällt diese Funktion weg – übrig bleibt Ballast. Ein Satz wie „Das ist eigentlich ein ziemlich wichtiger Punkt“ sagt exakt dasselbe wie „Das ist ein wichtiger Punkt“, nur leiser und länger.

Dass Klarheit messbar ist, zeigte schon das Hamburger Verständlichkeitsmodell, das die Psychologen Langer, Schulz von Thun und Tausch 1974 vorstellten: Einfachheit und Kürze gehören demnach zu den vier Säulen verständlicher Sprache. Und bereits Ludwig Reiners predigte in seiner „Stilkunst“ (erstmals 1943 erschienen) den Kampf gegen das Flickwort. Das Thema ist also alt – nur die Textmenge, die wir täglich produzieren, ist 2026 ungleich größer geworden.

Die Liste: 50 Wörter, die fast immer wegkönnen

Nicht jedes dieser Wörter ist in jedem Satz falsch. Aber jedes verdient bei der Überarbeitung einen prüfenden Blick:

  • Abschwächer: eigentlich, irgendwie, quasi, gewissermaßen, sozusagen, im Grunde, im Prinzip, an sich, relativ, ziemlich, etwas, ein wenig, vielleicht, wohl, eher
  • Verstärker ohne Kraft: sehr, total, absolut, wirklich, echt, definitiv, natürlich, selbstverständlich, zweifellos, durchaus, ganz, äußerst, überaus
  • Gesprächspartikel: halt, eben, ja, doch, mal, nun, also, übrigens, jedenfalls, sowieso, ohnehin, freilich
  • Bürokratenfüller: diesbezüglich, dementsprechend, grundsätzlich, prinzipiell, letztendlich, schlussendlich, gegebenenfalls, entsprechend, quasi automatisch, im Rahmen dessen
  • Zeitschinder: nun einmal, im Endeffekt, unter Umständen, in gewisser Weise, mehr oder weniger, so gesehen, wie gesagt, um ehrlich zu sein, offen gestanden, kurz gesagt
Infografik: In vier Schritten zum schlanken Text – Rohfassung schreiben, Füllwörter aufspüren, testweise streichen, laut vorlesen
Die Vier-Schritte-Methode gegen Füllwörter.

In vier Schritten zum schlanken Text

Der wirksamste Weg führt über die Überarbeitung, nicht über verkrampftes Schreiben. Erstens: die Rohfassung frei herunterschreiben, mit allen „eigentlichs“ – wer beim Formulieren zensiert, wird langsam. Zweitens: per Suchfunktion die eigenen Lieblingsfüller aufspüren; die meisten Menschen haben drei bis fünf davon im Dauereinsatz. Drittens: jede Fundstelle testweise streichen. Ändert sich die Aussage nicht, bleibt das Wort draußen. Viertens: den Text laut lesen. Das Ohr findet die zähen Stellen zuverlässiger als das Auge.

Wichtig ist das Augenmaß. Partikel wie „doch“ oder „eben“ können in wörtlicher Rede oder pointierten Texten Ton und Haltung transportieren – im Wiener Alltagston wäre ein „halt“ mitunter sogar Stilfarbe. Wer alles Weiche tilgt, klingt schnell wie ein Bedienungshandbuch. Die Regel lautet: streichen, was nichts leistet; behalten, was Ton erzeugt.

Was nach dem Streichen übrig bleibt: Platz für Substanz

Der eigentliche Gewinn zeigt sich nach der Kürzung. Sätze werden kürzer, Verben rücken nach vorn, Aussagen stehen frei. Erst in diesem aufgeräumten Umfeld entfalten rhetorische Figuren ihre Kraft – eine Metapher zwischen drei Abschwächern verpufft, dieselbe Metapher in einem klaren Satz sitzt. Wer tiefer einsteigen will, findet im Überblick über die wichtigsten Stilmittel das passende Werkzeug für diesen zweiten Schritt.

Und noch ein Nebeneffekt: Wer Füllwörter jagt, entwickelt ein feineres Gespür für Präzision. Statt „ziemlich groß“ schreibt man „zwei Meter“, statt „irgendwie seltsam“ benennt man, was seltsam ist. Dafür braucht es Auswahl im Kopf – Methoden, um den Wortschatz zu erweitern, sind deshalb das natürliche Gegenstück zur Streichliste.

Häufige Fragen

Sind Füllwörter grundsätzlich falsch?

Nein. In gesprochener Sprache, Dialogen und persönlichen Texten erzeugen sie Nähe und Rhythmus. Problematisch werden sie, wenn sie sich häufen und Aussagen verwässern – vor allem in Sachtexten, Bewerbungen und beruflicher Kommunikation.

Wie viele Füllwörter pro Text sind in Ordnung?

Eine feste Quote gibt es nicht. Als Faustregel gilt: Wenn beim Streichen eines Wortes weder Bedeutung noch Ton verloren gehen, war es überflüssig. In überarbeiteten Sachtexten bleiben meist nur wenige bewusst gesetzte Partikel übrig.

Welche Füllwörter sind am weitesten verbreitet?

Ganz vorne liegen „eigentlich“, „irgendwie“, „halt“, „also“ und „sehr“. Sie schleichen sich ein, weil sie im Gespräch als Pausenfüller dienen und beim schnellen Tippen automatisch mitlaufen.

Helfen Textprogramme beim Aufspüren von Füllwörtern?

Ja, die Suchfunktion reicht schon: einfach die eigenen fünf Lieblingsfüller nacheinander suchen und jede Fundstelle prüfen. Stilwerkzeuge markieren solche Wörter automatisch, ersetzen aber nicht die Entscheidung, ob ein Wort Ton erzeugt oder nur Platz füllt.

Fazit

Füllwörter sind das Verpackungsmaterial der Sprache: beim Transport nützlich, im fertigen Text überflüssig. Wer seine Rohfassungen konsequent nach den 50 Klassikern durchsucht und laut gegenliest, schreibt in kurzer Zeit deutlich klarer. Streichen ist die schnellste Stilverbesserung, die es gibt – und sie kostet nichts.

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