Ein Exposé ist die ein- bis dreiseitige Zusammenfassung eines Romans für Verlage und Literaturagenturen – inklusive Ende, Genre und Zielgruppe. Es entscheidet mit, ob das Manuskript überhaupt angefordert wird, und ist damit die wichtigste Bewerbungsunterlage einer Autorin oder eines Autors. So bauen Sie es auf.
Wozu Verlage und Agenturen ein Exposé verlangen
Lektorate und Agenturen erhalten wöchentlich Dutzende, große Häuser jährlich tausende Einsendungen – bei einem Gesamtmarkt, der laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels (2024) auf mehr als 60.000 Neuerscheinungen pro Jahr kommt. Niemand kann all diese Manuskripte lesen. Das Exposé ist deshalb das Sieb: Es zeigt auf wenigen Seiten, ob eine Geschichte funktioniert, ob sie in das Programm passt und ob die Verfasserin ihr Handwerk beherrscht.
Daraus folgt die wichtigste Grundregel: Das Exposé ist kein Klappentext. Es soll nicht anteasern, sondern beweisen – und deshalb verrät es auch das Ende. Ein Cliffhanger im Exposé („Wie es ausgeht, lesen Sie im Manuskript!“) gilt in der Branche als sicheres Zeichen für Unerfahrenheit.
Aufbau: die vier Bausteine
Ein professionelles Exposé besteht aus vier Teilen, die sich in dieser Reihenfolge bewährt haben:
- Kerndaten: Arbeitstitel, Genre, geplanter bzw. tatsächlicher Umfang in Normseiten, Zielgruppe, Stand des Manuskripts (fertig, in Arbeit). Alles auf einen Blick, gern als kompakter Block am Seitenanfang.
- Prämisse oder Pitch: die Geschichte in zwei bis drei packenden Sätzen. Hier entscheidet sich, ob weitergelesen wird.
- Handlungsabriss: der komplette Plot in chronologischer Ordnung, auf ein bis zwei Seiten, im Präsens erzählt – inklusive Auflösung. Nebenstränge nur, wenn sie tragend sind.
- Autorenzeile: zwei bis vier Sätze zur Person, zu relevanten Veröffentlichungen, Auszeichnungen oder besonderem Fachbezug zum Thema. Kein Lebenslauf.
Manche Agenturen wünschen zusätzlich kurze Figurenporträts der zwei, drei wichtigsten Charaktere – im Zweifel gilt immer, was die jeweilige Einsendeseite verlangt.

Die richtige Länge und Form
Als Richtwert haben sich ein bis drei Normseiten etabliert – die Normseite zu 30 Zeilen mit je 60 Anschlägen, also maximal 1.800 Zeichen, ist im Buchgeschäft seit Jahrzehnten Standardmaß. Kürzer ist fast immer besser: Wer seinen 400-Seiten-Roman nicht auf zwei Seiten zusammenfassen kann, weckt Zweifel, ob die Geschichte einen klaren Kern hat.
Zur Form gehören außerdem: gut lesbare Schrift, anderthalbfacher Zeilenabstand, Name und Kontaktdaten auf jeder Seite, fehlerfreie Rechtschreibung. Das klingt banal, sortiert aber real einen Teil der Einsendungen aus. Das Exposé ist die Arbeitsprobe – wer hier schlampt, dem traut man auch beim Manuskript wenig zu.
Formulieren: Ton, Tempus, typische Fehler
Der Handlungsabriss steht im Präsens und in der dritten Person, unabhängig davon, wie der Roman erzählt ist. Der Ton darf die Stimmung des Buches spiegeln – ein Krimi-Exposé darf knapp und hart klingen, ein Liebesroman wärmer –, bleibt aber sachlich lesbar. Bewertende Superlative („ein atemberaubendes Meisterwerk“) sind tabu: Das Urteil fällt der Empfänger.
Die häufigsten Fehler: das Ende verschweigen, jede Nebenfigur aufzählen, in Szenen statt in Handlungslinien erzählen und den Pitch mit Weltbeschreibung statt mit Konflikt beginnen. Wer sauber geplottet hat, ist hier klar im Vorteil – aus einem strukturierten Plan lässt sich der Handlungsabriss fast direkt ableiten. Wie ein solcher Plan entsteht, zeigt unser Beitrag zum Plotten des Romans.
Nach dem Exposé: die Einreichung
Üblich ist ein Paket aus Anschreiben, Exposé und Leseprobe (meist die ersten 20 bis 50 Normseiten – nie ein Kapitel aus der Mitte). Agenturen sind 2026 für Belletristik der gängigste Weg zu den Publikumsverlagen, da viele große Häuser unverlangte Einsendungen gar nicht mehr prüfen. Absagen gehören zum Prozess und sagen oft mehr über Programmpläne als über die Qualität des Textes; branchenüblich sind mehrere Monate Wartezeit.
Wer parallel weiter am Handwerk feilen will: Der große Leitfaden zum kreativen Schreiben versammelt Techniken und Übungen von der Idee bis zur Überarbeitung.
Häufige Fragen
Wie lang darf ein Exposé maximal sein?
Ein bis drei Normseiten sind der übliche Rahmen; manche Agenturen nennen eigene Vorgaben, die dann Vorrang haben. Länger als vier Seiten sollte es nie werden – Kürze ist Teil der Prüfung.
Muss das Exposé wirklich das Ende verraten?
Ja, ohne Ausnahme. Lektorinnen und Agenten wollen beurteilen, ob der Plot als Ganzes trägt – und das Ende ist der schwierigste Teil jeder Geschichte. Geheimniskrämerei wirkt unprofessionell.
Schreibe ich das Exposé vor oder nach dem Roman?
Beides kommt vor. Für die Einreichung zählt die finale Fassung, die zum fertigen Manuskript passt. Viele Autoren schreiben aber schon vorab ein Arbeitsexposé, weil es Plotlöcher früh sichtbar macht.
Was gehört ins Anschreiben, was ins Exposé?
Das Anschreiben ist kurz und persönlich: Anrede, ein, zwei Sätze zum Buch, warum es zu dieser Agentur passt, Kontaktdaten. Alles Inhaltliche – Pitch, Handlung, Figuren – gehört ins Exposé. Doppelungen vermeiden.
Fazit
Das Exposé ist die Visitenkarte des Romans: vier Bausteine, ein bis drei Normseiten, Präsens, mit Ende. Wer es als eigene Handwerksaufgabe ernst nimmt statt als lästige Formalität, verschafft seinem Manuskript einen messbaren Vorsprung im Einsendestapel. Die Mühe lohnt sich – gelesen wird zuerst das Exposé, nicht das Buch.

